Ein kleines bisschen LSD
Das Comeback der Hippie-Droge

45 Min. | WDR | Deutschland / USA / Niederlande / Schweiz | 2019

Psychedelische Drogen erleben ein ungewohntes Revival. Microdoser nehmen wenige Tropfen LSD zu sich, um im Job und im Alltag besser zu funktionieren. Eigentlich verbindet man die Hippie-Droge mit Halluzinationen und Kontrollverlust. Doch die Mikrodosis soll leistungsfähiger, effizienter und kreativer machen. Kann das wirklich sein? LSD als Wundermittel? Im Silicon Valley ist diese Form der Selbstoptimierung bereits Realität. Und auch in Deutschland entdecken immer mehr Menschen das Microdosing. Wie gefährlich ist dieser Trend?

Wenn Benno sein Gefrierfach öffnet, ist es mal wieder Zeit für seine kleine Ration LSD. Die steckt in einem Eiswürfel, den er langsam auf der Zunge zergehen lässt. Jeden dritten Tag konsumiert der 28-Jährige so eine Mikrodosis von 12 Mikrogramm LSD. Das ist etwa ein Zehntel der Dosis, die normalerweise für Halluzinationen sorgt. Die Anleitung für die Mikrodosierung hat sich Benno im Internet besorgt. Mit der vermeintlich harmlosen Dosis fühlt er sich fokussierter, produktiver und sogar emphatischer: “LSD wirkt wie ein Verstärker meiner Gefühle und meiner Aufmerksamkeit. Ich bin mehr bei mir. Alles fühlt sich etwas leichter an.”

Selbstoptimierung um jeden Preis?

Im Silicon Valley ist diese Form der Selbstoptimierung längst ein Trend. Unter vielen Start-Up-Unternehmern ist Microdosing ein offenes Geheimnis. “Diejenigen, die verantwortungsbewusst psychedelische Drogen in Mikrodosen zu sich nehmen, werden die künftige Arbeitswelt beherrschen”, sagt Paul Austin. Der 29-Jährige ist so etwas wie der LSD-Messias im Silicon Valley. Mit seinem Unternehmen “The Third Wave” will er die psychedelische Droge wieder hoffähig machen. Doch Experten aus der Drogenarbeit sind skeptisch. Sie warnen vor einer Selbstmedikation, wie sie die Microdoser vornehmen. Denn wie konzentriert der Wirkstoff ist, lässt sich für den Laien kaum einschätzen. Im Ernstfall kann es zu Psychosen und anhaltenden Wahrnehmungsstörungen kommen.

Doch nicht nur bei Microdosern ist LSD angesagt. Auch eine neue Generation von Forschern und Medizinern traut sich wieder an die Substanz. Jahrzehntelang lag LSD im Giftschrank der Labore, heute staunen immer mehr Wissenschaftler über die Heilkraft psychedelischer Drogen. Substanzen wie LSD oder Psilocybin, der Wirkstoff aus den „Magic Mushrooms“, sollen in der Lage sein, Depressionen und Angstzustände zu mindern. 

LSD als Therapie?

LSD als Medikament? An diesem Punkt stand die Forschung schon mal. Als der Schweizer Chemiker Albert Hofmann 1943 den Wirkstoff entdeckt, ahnt er noch nicht, welches Potential psychedelische Drogen haben. Doch schnell zeigt sich, dass die Substanz psychische Blockaden lösen kann. Bis in die 60er Jahre ist LSD ein legaler Wirkstoff, der von Ärzten zur Behandlung von Depressionen und Alkoholsucht eingesetzt wird. Doch dann tritt LSD seinen Siegeszug außerhalb des Labors an. LSD wird zur Kultdroge der Hippie-Bewegung, bis die US-Regierung die Droge 1966 verbietet.

Die Doku “Ein kleines bisschen LSD” beleuchtet offen, kritisch und ohne ideologischen Ballast das Revival psychedelischer Drogen. Noch sind sie weit entfernt von einer Wiederzulassung als Medikament. Wirkstoffe wie LSD und Psilocybin bleiben vorerst illegal. Ist es Zeit für eine Neubewertung? 

 

Buch & Regie: Norbert Lübbers, David Donschen

Kamera: Felix Korfmann, Andrea Rumpler, Chris Caliman

Schnitt: Jakob Kastner, David Holfelder

Erstausstrahlung: 9. Oktober 2019 um 22:10 Uhr